Schloss Ortenburg mit den Gartenanlagen nach einem Kupferstich von 1723

Der Barockgarten

der Residenz Alt Ortenburg –

Pomeranzenhaus bei Grabungen entdeckt

 

Im ehemaligen Ortenburger Schlosspark wurde ein kulturhistorisches Kleinod entdeckt. Auf dem Gelände des heutigen Wildparks war im 17. Jahrhundert ein prachtvoller Garten angelegt.

Hermann Scheuer, Stadtgärtner in Passau und gebürtiger Ortenburger, hat die Vergangenheit des Schlossgartens gründlich erforscht und dokumentiert.

Das Besondere dabei ist ein äußerst seltenes "abschlagbares Pomeranzenhaus".

Seit dem 19. Juli 2004 ist Kreisarchäologe Walter Wandling auf dem heutigen Wildparkgelände mit Grabungen beschäftigt. Es wurden zwischenzeitlich nicht nur die Grundfeste des Pomeranzenhauses lokalisiert, sondern auch frühgeschichtliche Spuren konnten nachgewiesen werden.

 

www.pomeranzenhaus.de

Ein Lustgarten samt Pomeranzenhaus

(von Hermann Scheuer)

 

Im Ortenburger Schlossgarten spiegelt sich die Entwicklung der europäischen Gartenkultur

 

Die Grundstruktur der Gartenanlage von Schloss Ortenburg vermittelt den typischen Gartentraum zwischen Renaissance und Barock - ein der realen Welt enthobener und geschützter paradiesischer Ort.

 

Der Stich von Michael Wening aus dem Jahre 1723 zeigt einen üblichen Ziergarten zur Zeit des späten 17. Jahrhunderts, angelegt von Graf Friedrich Casimir um 1630 und dem frühbarocken Zeitgeist angepasst von Georg Philipp von Ortenburg um 1695.

 

Um 1650 berichtet der Historiograph Magister Michael Call zum ersten Mal von einem Ziergarten und einem "Tirgarten" im östlichen Bereich des Schlosses, in dessen Gehege Hirsche, Rehe und anderes Wild gehalten wurden. Friedrich Casimir der Künstlergraf (1591-1658) - vom Heidelberger Schlossgarten inspiriert - hat in Ortenburg zeitgemäß, nach der damals noch vorherrschenden italienischen Gartenkunst einen kleinen Garten angelegt.

 

Sein herausragendes Gartenelement war ein kunstvoller Pavillon und zugleich ließ er den Schloßberg mit Wein bepflanzen, so sehen wir es auf einem alten Stich. Graf Georg Philipp (1665-1702) hat den Garten in Ortenburg der heraufziehenden Mode angepasst, die zusammengefügten Ornamentfelder lassen noch italienische Strukturen erkennen, haben aber schon eindeutig das Ordnungsgefüge des Barock.

 

Die Architektur des Gartens ist noch "grün" gewesen, das heißt, neben den Terrassen haben gestutzte Hecken, beschnittene Bäume und Spalierwände die gestaltenden Grundelemente dargestellt. Das bedeutendste Element in seiner Gartenkonzeption war ein abschlagbares Pomeranzenhaus, ein Vorläufer der Orangerie.

 

Damit schenkte er Ortenburg vor mehr als dreihundert Jahren ein äußerst seltenes Gartenandenken, das seit seiner Entdeckung durch Hermann Scheuer in der Fachwelt für Aufsehen sorgt. Man konnte das Schloss über eine schöne Treppe verlassen und sich ins Gartenparterre begeben, wo ein prachtvolles Beet mit verschlungenen Ornamenten aus Buchs und Kies den Gartenbesucher empfangen hat.

 

Ein Brunnen in der Mitte und beschnittene Bäumchen als Einfassung für das Broderiebeet, ließen bereits die Symmetrie des formalen Gartens erkennen. Ein prächtiger Belvederepavillon, genannt das Lusthaus, hat als wahrscheinlich ältestes Element im Mittelpunkt der Gartenanlage gestanden.

 

Außerdem existierte bereits ein ca.28x12m großes Pomeranzenhaus, das den weltläufigen Grafen von Ortenburg in seiner barocken Sammelleidenschaft unterstützt hat, genauso wie eine Kunst- und Wunderkammer im Schloss. Das "abschlagbare Pomeranzenhaus" im Ortenburger Garten hat zur Kultivierung und Überwinterung von südländischen, Wärme liebenden Pflanzen wie Pomeranzen und Limonen gedient, die meisten jungen Bäumchen kauften die Ortenburger vom fürstbischöflichen Garten in Passau Hacklberg.

 

Ein weiteres Element hat von der Kunstfertigkeit der Ortenburger Gartenkünstler gezeugt: In eine Geländestufe wurde ein Grottenwerk mit Aussichtsgalerie in die Gartenanlage integriert worden, ein Rasenparterre mit Brunnen hat hierzu den Abschluss gebildet. Unter diese Aussichtskanzel ist außerdem ganz zweckmäßig ein Glashaus eingebaut worden, ebenfalls zum Schutz der Kübelpflanzen vor Frost und Kälte.

 

An einer weiteren Stufe sind große Spalierwände angebracht worden, an solchen ist damals nämlich mit Vorliebe Wein angepflanzt worden. Durch die Bepflanzung der umlaufenden Terrassenstufen haben die Gärtner einen Alleecharakter erzeugt, zu jener Zeit üblicherweise mit Linden. Auch die große Grünfläche der unteren Ebene ist durch eine Baumallee harmonisch in das Gesamtkonzept einbezogen worden.

 

Der streng symmetrisch gegliederte Gemüsegarten ist mit einer niedrigen Hecke umgrenzt gewesen, der zur Zeit des frühen Barock noch in den Ziergarten integriert worden ist. Unmittelbar an den Küchengarten haben ein Freilufttheater und ein Obstgarten angeschlossen, die beide ebenfalls noch zum umzäunten Gartenbereich gehört haben.

 

Der von Michael Wening beschriebene "gegen Morgen angelegte Lustgarten" ist eine Schöpfung von Graf Georg Philipp von Ortenburg (Regierungszeit:1684-1702). Die Herrscher in Passau und Ortenburg erkannten frühzeitig die klimatisch günstigen Verhältnisse in unserer Region und nutzten sie für den Anbau von südländischen Gewächsen in ihren Gartenanlagen, im Winter geschützt von Pomeranzenhäusern.

 

Die äußerst seltene Form des abschlagbaren Pomeranzenhauses von Ortenburg gab es in dieser Form erst um 1685 in Süddeutschland, vom Gardasee kommend erreichte dieser Bautyp nachweislich nur Nürnberg, Ortenburg und Schleißheim. Um 1685 errichtete Johann Georg Volkamer in Nürnberg ein berühmtes Pomeranzenhaus, von dem es heute nichts mehr gibt.

 

Der Passauer Baumeister Antonio Riva, aus Graubünden, baute um 1695 das Pomeranzenhaus für den Graf von Ortenburg, ein ähnliches wurde um 1700 von Rivas Freund E. Zuccalli für den bayerischen Kurfürsten in Schleißheim geplant, aber es kam nicht zur Ausführung.

 

Durch die noch vorhandenen Mauerreste des abschlagbaren Pomeranzenhauses, nimmt Ortenburg zukünftig eine herausragende Stellung in der Geschichte der Pomeranzenhäuser in Deutschland ein.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Förderkreis Bereich Schloss Ortenburg