Geschichte des Schlosses Ortenburg

(von Stefan Wild)

Schloss Ortenburg, eigentlich Schloss Alt-Ortenburg, ist die ehemalige Residenz der reichsunmittelbaren Grafschaft Ortenburg. Von etwa 1120 bis 1805 residierten die Grafen zu Ortenburg im Schloss.

 

Die Schlossanlage ist eine einstige Höhenburg über dem Tal der Wolfach. Errichtet wurde sie um das Jahr 1120 von Graf Rapoto I. von Ortenburg. Aufgrund der Macht des gräflichen Hauses kam es im 12. und 13. Jahrhundert mehrfach zu Konflikten. 1192 wurde die mittelalterliche Burg während einer Fehde durch Herzog Leopold von Österreich zerstört. Anschließend wurde die Anlage bald wieder neu errichtet. Wann dies geschah ist unbekannt, jedoch wird die Burg 1249 mit der Nachbarburg Neu-Ortenburg wieder urkundlich erwähnt.

 

Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde die mittelalterliche Burg im Jahre 1504 durch eine Kriegslist geplündert und durch das anschließend von den Plünderern gelegte Feuer nahezu völlig zerstört. Graf Wolfgang von Ortenburg konnte die Burganlage daraufhin nur notdürftig renovieren. Das Aussehen der einstigen Burg ist heute unbekannt.

 

Das heutige Erscheinungsbild geht auf den berühmtesten Ortenburger Grafen zurück: Graf Joachim von Ortenburg. 1563 führte dieser in seiner Grafschaft die Reformation ein. Bereits ein Jahr zuvor, 1562, begann er mit dem Wiederaufbau  der Anlage im Stile der Renaissance. Die Arbeiten begannen am Südflügel. Nachdem dieser weit fortgeschritten war, wurde 1567 mit dem Ostflügel begonnen. Dafür wurde der mittelalterliche Palas bis auf die Grundmauern abgetragen und anschließend neu aufgebaut. Ein Jahr später wurde die Vorburg abgetragen um dort Nebengebäude und Ställe zu errichten. Im Jahre 1574 begannen die Arbeiten am Nordflügel, dafür wurde die mittelalterliche Schildmauer und der Bergfried abgerissen. Im Nordflügel ließ Graf Joachim einen prunkvollen Rittersaal errichten mitsamt einer wappengezierten und reich bemalten Holzkassettendecke. Die Wappen stellen dabei die Verwandschaft Graf Joachims und seiner beiden Ehefrauen dar. Teile der Innenausstattung des Saales stammen aus der Hand des berühmten Regensburger Bildhauers Hans Pötzlinger.

 

Die Arbeiten am Schloss zogen sich bis ins Jahre 1575, als der Südflügel fertiggestellt wurde. Zusätzlich ließ Graf Joachim eine Wasserleitung mittels Holzrohren über Rauscheröd und Schlott errichten, welche bis Anfang des 19. Jahrhunderts in Betrieb war. Ursprünglich plante Joachim die Schlossanlage mit einer standhaften Ringmauer zu umrahmen. Diese sollte mit zwei Rondellen und drei Bastionen und einem tiefen Halsgraben gesichert sein. Aufgrund des Refromationskonfliktes waren seine finanziellen Mittel allerdings begrenzt, sodass es nicht zur Verwirklichung der Verteidigungsanlagen kam.

 

Der Innenausbau des Schlosses wurde durch die Grafen Friedrich Casimir und Christian vollendet. Friedrich Casimir ließ 1628 die von ihm entworfene prunkvolle Renaissace-Holzkassettendecke in der heutigen Schlosskapelle anbringen. Sie gilt als eine der schönsten Renaissancedecken in Deutschland. Ursprünglich war der Raum schon von Graf Joachim als Saal vorgesehen. Erst Graf Friedrich Casimir konnte diesen als Tafelsaal vollenden. Die Kapellendecke ähnelt denen im berühmten Fuggerschloss Kirchheim an der Mindel und der Tiroler Trostburg bei Waidbruck. In der Mitte der Decke prangt das reich verzierte Wappen der gräflichen Familie. Neben der prunkvollen Schlossdecke ließ Graf Friedrich Casimir um 1630 auch die Gartenanlagen ausbauen und einen Tiergarten anlegen. Graf Christian ist es wohl zuzuschreiben, dass der Tafelsaal in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in eine Kapelle umgewandelt wurde.

 

Um 1695 ließ Graf Georg Philipp vom Graubündener Baumeister Antonio Riva Pläne zur Umgestatung der Vorburg und der Gartenanlage des Schlosses entwerfen. Riva plante darin eine barocke prachtvolle Treppenanlage und ein abschlagbares Pomeranzenhaus, welches als Teil der zentralen Achse des Gartens plaziert wurde. Das Pomeranzenhaus war in Deutschland einmalig. Der Ausbau der Vorburg und der Gartenanlage zogen sich bis ins Jahre 1721.

 

Im Zuge der Mediatisierung veräußerte Graf Joseph Carl im Jahre 1805 die Grafschaft und damit Schloss Ortenburg an Bayern. Lange Zeit wurde über eine mögliche Verwendung des Schlosses diskutiert. 1808 wurde letztendlich das Rentamt Griesbach nach Ortenburg verlegt, nachdem das dortige Schloss einem Brand zum Opfer gefallen war. Dies hatte aber durchaus seine Nachteile für das Schloss. Der prunkvolle Rittersaal wurde unter anderem als Getreidespeicher verwendet und damit dauerhaft beschädigt. 1818 kehrte das Rentamt nach Griesbach zurück. Daraufhin wurde befürchtet, dass die Anlage abgerissen wurde. Die Bevölkerung wandte sich daraufhin an Graf Joseph Carl in seiner neuen oberfränkischen Heimat auf Schloss Tambach. Joseph Carl setzte sich daraufhin seit dem 17. April 1822 bei der Regierung des Unterdonaukreises für einen Rückerhalt des Schlosses ein. Am 30. April 1827 wurde ihm das Schloss unter anderem als Entschädigung für den Verlust seiner standesherrlichen Rechte in Tambach mit einem veranschlagten Wert von 10.000 Gulden übergeben. Seither wurde die Anlage von der gräflichen Familie aber nicht mehr bewohnt.

 

Die Schlossanlage blieb bis ins Jahre 1971 im Besitz der Grafen zu Ortenburg. In jenem Jahre veräußerte Alram Graf zu Ortenburg das Schloss an Heinrich Orttenburger. Schon ein Jahr später begann Orttenburger, mit Unterstützung seiner gesamten Familie und mit öffentlicher Hilfe, mit umfangreichen Renovierungsarbeiten am Schloss. Bis ins Jahr 1991 wurden immer wieder Verbesserungen an der Anlage durchgeführt.

Zugleich wurde das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So entstanden unter anderem 1974 die Ritterschänke in den Gewölben und das Schlosscafé. Im selben Jahr gründete zudem Algram Graf zu Ortenburg den Ortenburger Wildpark auf dem Gelände des ehemaligen Schlossgartens. Im Jahre 1976 wurde schließlich das Schlossmuseum eröffnet.

 

Eine der umfangreichsten  Renovierungen konnte im Jahre 2008 abgeschlossen werden: die Restaurierungsarbeiten an der denkmalgeschützten Holzdecke in der Schlosskapelle und dem darüber liegenden Dachstuhl. Die Gesamtkosten dieses Projektes betrugen 533.000 €. Die Arbeiten wurden aufgrund von Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungsschäden notwendig. Zudem musste ein Konstruktionsfehler, welcher seit dem Wiederaufbau bestand, korrigiert werden.

 

Heinrich Orttenburger verstarb am 16. Aprill 2011 im Alter von 90 Jahren. In seinem Testament verfügte er den Verkauf des Schlosses. Am 1. Mai 2013 wechselte Schloss Ortenburg schließlich in den Besitz von Fritz Hofbauer. Hofbauer will das Schloss auch zukünftig der Öffentlichkeit zugänglich erhalten und weitere Renovierungen durchführen.

 

Literatur (Auswahl)

  • Paul Huber: Festsaalarchitektur in Schloss Ortenburg. Konstruiertes Prestige in Konservierung. In: Toccare - Non Toccare, 2009 (S. 139-153).
  • Walter Wandling: Das Pomeranzenhaus des Schlossgartens von Ortenburg, Landkreis Passau. In: Vorträge des 25. Niederbayerischen Archäologentages, 2007 (S. 311-325).
  • Hermann Scheuer: Ein Lustgarten samt Pomeranzenhaus – Der Ortenburger Schlossgarten im Spiegel der europäischen Gartenkunst. In: Vilshofener Jahrbuch Band 13, Vilshofen 2005 (S. 21-32).
  • Walter Fuchs: Ein Besuch im Schloss Ortenburg – Seine Geschichte und seine Sehenswürdigkeiten. Ortenburg 2004.
  • Walter Fuchs: Schloss Ortenburg, Ortenburger Baudenkmäler und die Geschichte der Reichsgrafschaft Ortenburg. Ortenburg 2000.
  • Walter Fuchs: Schloß Ortenburg - Die neuesten Erkenntnisse zu seiner Baugeschichte. In: Donau-Bote Vilshofen vom 5. Mai 1987.
  • Friedrich Hausmann: Neue Erkenntnisse zur Geschichte und Baugeschichte der Ortenburg. Ortenburg 1974.
  • Hans Schellnhuber: Schloß Ortenburg – seine Geschichte und seine baulichen Sehenswürdigkeiten. Ortenburg 1924.
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